Gruselgeschichten aus Gerresheim

Stephan Peters hat einen Band mit Kurzgeschichten herausgebracht, der subtilen Horror mit Lokalkolorit verspricht.

Von Marc Ingel RP 8.1.2020

Horror ist ja ein schwer zu definierender Begriff. Der eine verbindet damit automatisch Schmerz und Verderben, ausgelöst durch gruselige Monster oder Motorsägen schwingende Halbtote. Für den anderen kann schon der anstehende Besuch der Schwiegermutter blankes Entsetzen auslösen. Da irgendwo in der Mitte könnte man Stephan Peters ansiedeln.

In seinen Kurzgeschichten dominiert schwarzer Humor, der Horror spielt sich eher im Kopf ab, nicht selten in dem des Mörders, denn der Täter und die Tat als solche interessieren den Autor weit mehr als die Polizei, wenn es sich denn um einen Krimi handelt. Seine Geschichten erinnern ein wenig an Roald Dahl, auch Edgar Allan Poe oder Stephen King. Davon hat der Autor viele geschrieben. Und die besten – zusammen mit zwei neuen – jetzt in einem Sammelband vereint. Ein bisschen verändert hat er sie dann schon, denn alle spielen in Gerresheim, dort, wo Peters seit mehr als 30 Jahren lebt.

In Gerresheim kennt so gut wie jeder Stephan Peters, von seinen Lesungen, die er lange Zeit mit der jungen Deborah Haarmeier im Bogart‘s durchgeführt hat, doch die studiert und modelt inzwischen, und das Bogart‘s an der Benderstraße ist ja auch längst dicht. Wenn Peters jetzt Lesungen mit anderen Autoren für den Kulturkreis Gerresheim organisiert, geht er in den Jägerhof oder den Event-Bahnhof. Peters hat aber auch einen Roman geschrieben, der ein durchaus beachtlicher Verkaufserfolg war. „Die Hexe von Gerresheim“ handelt von einer männermordenden Femme fatale, ein Pastor legt ihr letztlich das Handwerk.

Jetzt also die „Gerresheimer Gruselgeschichten“. „So ein bisschen hat mich Marius Müller-Westernhagen inspiriert, der seine Pfefferminz-Platte ja auch neu aufgenommen hat, jetzt alles aus einem anderen Blickwinkel betrachtet“, sagt Peters. Man muss wissen: Peters und Müller-Westernhagen waren mal Klassenkameraden, an der Dr.-Rüsseler-Schule an der Ackerstraße, die gibt es natürlich ebenfalls längst nicht mehr.

Mit anderen Augen hat der 70-Jährige dann eines Tages auch seine Geschichten betrachtet, zumindest die besten davon, für die Fans ihm schon mal nachreisen, um sie immer wieder zu hören. Jetzt spielen sie alle in Gerresheim, und den Leser wird es freuen, wenn er die Orte, an denen die Verbrechen geschehen, wiedererkennt und sich so besser in die Story hineinversetzen kann.

Peters geht es dabei immer um die Frage: Wie tickt der Täter, was motiviert ihn? Er versetzt sich in die Psyche des Mörders, der früher womöglich ein ganz normaler Durchschnittsmensch war, und versucht so, seinen Wahngebilden auf den Grund zu gehen. Und wer ist in der Regel schuld? „Die Mutter“, sagt Peters und nennt Norman Bates in „Psycho“ als klassisches Beispiel. In der neuen Geschichte „Fridays for Future“ wird der Schriftsteller sogar erstmals politisch: Im Jahr 2030 regiert die AfD, niemand hat sich bis dahin weiter um den Klimawandel gekümmert, und so versinkt Gerresheim am Ende im Wasser.